Andachten

Andacht zum 1. Sonntag nach Trinitatis, 6.Juni 2021

Text: 1. Petrusbrief, 5.7

Alle eure Sorgen werft auf IHN, denn ER sorgt für euch.

Gedanken zum Text:

Schwierige und anstrengende Monate liegen hinter uns. Die Pandemie und die Einschränkungen zu ihrer Eindämmung bestimmten unser Leben. Gott sei Dank gibt es inzwischen Grund zum vorsichtigen Optimismus. Die Zahl der Neuinfektionen geht auch bei uns zurück. Hält der Silberstreif am Horizont, was er verspricht? Einen (fast) Corona – freien Sommer?Das wäre eine Gnade! Eine Frage sei erlaubt: Was tun die Menschen, wenn sie einer Gefahr entronnen sind, die ihre Gesundheit, ja im schlimmsten Fall ihr Leben bedrohte? Darauf gibt es verschiedene Antworten. Die meisten versuchen wohl, so schnell wie möglich zu vergessen, stürzen sich zurück ins „normale“ Leben, wenn´s denn sein muss, sogar geimpft. Urlaubsreisen und Flüge werden fleißig gebucht, wie die Zeitung berichtet. Hoffentlich geht alles gut und die Menschen kommen erholt und gesund zurück. Abstand gewinnen, neue Kraft schöpfen – das gehört zum Sommer. Zum Sommer in diesem Jahr gehört für mich aber auch ein innerer „Zwischenstopp“, ein innehalten. So schnell kann ich nicht wieder zur „normalen Tagesordnung“ übergehen. Denn da ist zuallererst die Trauer über die Todesopfer der Pandemie. Auch bei uns im Landkreis starben bis zum heutigen Tag 171 Menschen an Covid 19. Es gibt kleine Dörfer bei uns im Kreis, die haben deutlich weniger Einwohner. Trauer braucht Zeit und Raum, nicht nur in den betroffenen Familien. Schließlich hätte es noch viel mehr Tod und Trauer geben können. Gab es aber Gott sei´s gedankt nicht. Das ist der zweite wichtige Grund, weshalb ich´s nicht so eilig habe. Denn ich möchte Gott danken, dass ER uns vor noch viel schlimmerem bewahrt hat, dass die Seuche bei uns trotz allem nicht außer Kontrolle geriet und dass ER auch all denen nahe ist und beisteht, die jetzt durch das Tal der Trauer und des Abschiedes gehen müssen. Zur Trauer und zur Dankbarkeit gesellt sich das Nachdenken: Was genau können wir aus der Zeit der Pandemie lernen – für unser Zusammenleben im allgemeinen, aber auch für unseren Glauben im Besonderen? Ein kluger Mensch hat mal gesagt (oder so ähnlich): „Jede Krise ist eine Lernaufgabe.“ Damit bin ich noch längst nicht fertig. Es ist sicher auch wenig sinnvoll, sich dieser Aufgabe allein stellen zu wollen. Von daher freue ich mich darauf, dass wir uns (hoffentlich) bald wieder treffen und miteinander austauschen können.

Christus in der Stadtkirche zu Pößneck F oto: Privat (J. Reichmann)

Gedanken zum Bild:

Trauer und Dankbarkeit für Bewahrung am Ende einer Pandemie – diese Empfindungen spiegeln sich auch im sehr lebensnah geschnitzte Christus in der Stadtkirche Pößneck. Einst hing dieses einmalige Kunstwerk in der Pößnecker „Gottesackerkirche“ (eigentlich: Sankt Marien). Um diese Kirche herum wurden im Mittelalter die vielen Opfer der Pest bestattet, die in der Stadt zu beklagen waren. Der Platz auf dem ursprünglichen Friedhof um die Stadtkirche herum reichte dafür nicht aus. Etwa jeder dritte Einwohner starb an der Seuche. Schutzmaßnahmen gab es nicht, Infektionsketten konnten nicht unterbrochen werden. Das Grauen nahm seinen Lauf. War die Krankheit endlich überstanden, kamen die Hungerjahre. Der Handel mit den umliegenden Orten brach zusammen, ebenso die Versorgung der Überlebenden mit Nahrungsmitteln. Oft dauerte es Jahrzehnte, bis die wirtschaftlichen Folgen einer Pandemie überstanden waren. In diesen schweren Jahren brauchten die Menschen einen Halt, der ihnen Lebensmut und Kraft für den täglichen Kampf ums Überleben schenkte. Und da kommt wieder die große Christusfigur ins Spiel, die nach Aussage eines Kenners die Züge eines an Lungenpest erkrankten Menschen trägt: Sie verkündet ihren Betrachtern: Christus geht mit durch das Leid. ER ist bei und mit allen, die diese furchtbare Katastrophe ereilt hat. Und ER öffnet auch ihnen den Weg in Gottes Zukunft, auch wenn alles dagegen zu sprechen scheint im Erleben und Erleiden der Menschen. So wird der leidende Christus zum Symbol der Hoffnung. Mehr noch, der leider unbekannte Künstler hält mit ihm eine Trostpredigt ohne Worte, die über alle Zeiten Kraft und Mut schenken kann.

Gebet:

HERR, unser Gott, wir danken DIR für jedes Menschenwort, das uns die Ohren öffnet und das Herz weitet für DEINE Gegenwart und die Sorgen unserer Mitmenschen. Lass uns diese Stimmen hören mitten im Durcheinander unserer Zeit.

HERR, wir bitten DICH um DEINEN Geist der Wahrheit und Wahrhaftigkeit in unserem Reden und Tun, der Klarheit schafft und auf Versöhnung drängt in allen Gesprächen zwischen Freunden und Feinden.

HERR, hilf uns, im Vertrauen auf DICH denen beizustehen, die ratlos sind, die Angst haben, die enttäuscht wurden und verbittert sind, damit sie neue Hoffnung schöpfen können und wieder zueinander finden.

HERR, sei den Stillen nahe, stehe den Trauernden, den Kranken und den Sterbenden beiund schenke uns allen DEINE Zukunft.

Schenke uns DEIN Erbarmen, damit DEIN Reich komme. Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN