Andachten

Andacht zum 14. Sonntag nach Trinitatis, 5.September 2021

Text: Psalm 103,2 (Wochenspruch) Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Gedanken zum Text:
Manchmal vergesse ich etwas. Das ärgert mich jedes mal und ich bin froh, wenn das Vergessene nicht allzu wichtig war. Wenn aber doch, kann das richtig peinlich werden. Den Namen eines Bekannten, die versprochene Zuarbeit, den Termin, den Geburtstag eines Freundes – einfach vergessen. Leider passiert mir das immer wieder. Kennen Sie das auch? Ich bewundere Menschen mit nahezu perfektem Gedächtnis und bin froh, dass es Hilfsmittel gibt gegen
das Vergessen. Der sprichwörtliche Knoten im Taschentuch funktioniert nicht mehr so gut, seitdem die großen, karierten Herrentaschentücher aus Stoff außer Mode gekommen sind.

Aber Gott sei Dank gibt es ja elektronische Helfer oder auch den klassischen Taschenkalender. Der hilft mir, mich an alle mehr oder weniger wichtigen Dinge zu erinnern. Sich erinnern zu können, dem Vergessen ein Schnippchen zu schlagen, das ist eine ganz wesentliche Voraussetzung, um den Alltag des Lebens zu meistern. Das spüren die Menschen am deutlichsten, die an Demenz erkrankt sind und natürlich auch deren Angehörige. Sich erinnern
zu können macht darüber hinaus auch dankbar, erleichtert das Herz und erfrischt die Gedanken. So ist es noch viel mehr als eine Voraussetzung, den Alltag zu bestehen. Es gibt Halt und Orientierung, vergewissert mich, wo ich
herkomme, wo ich hingehöre und wohin ich gehe. Eine Hilfe zur Erinnerung in diesem Sinn bietet uns das Wort aus dem 103. Psalm: Lobe den Herrn, meine Seele, – und vergiss nicht, – was ER dir Gutes getan hat. Ursprünglich wur-
de dieses Glaubenslied im alten Israel gesungen. Für Israel ist die Erinnerung daran, was Gott SEINEM Volk Gutes getan hat, bis heute gegenwärtig. Zum Passahfest erzählen sich die Menschen die Geschichte der Befreiung ihres
Volkes aus der ägyptischen Sklaverei. Mitten in der Gegenwart finden sie sich wieder in der Geschichte ihrer Vorfahren so, als hätten sie diese selber erlebt. Sie werden eins, erfahren und erleben sich selbst als Menschen des Gottesvolkes, mit dem ER durch die Zeit unterwegs ist, was auch kommen mag. So zeigt ER SEINE Liebe zu SEINEM Volk. Daran zu erinnern, lohnt sich immer. Die unvergessliche Liebesgeschichte Gottes erzählt Jesus für uns weiter. Wie die Menschen Israels können auch wir erleben, dass wir Anteil daran haben. Das dürfen wir für uns ganz persönlich annehmen.
Nicht nur in guten Zeiten. Auch in schweren Zeiten: der HERR steht zu uns. Auch wenn aus menschlicher Sicht alles dagegen sprechen mag, SEINE Zusage gilt – weil ER uns liebt.

Diese Gewissheit macht dankbar und froh, dass wir einstimmen können in das Lob Gottes, auf unsere Art, laut oder leise, schräg oder gekonnt – Hauptsache mit unserer eigenen Stimme. So wie es Israel und die gesamte Christenheit seit Jahrtausenden tut.

Gedanken zum Bild:
Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss
nicht, was er dir Gutes getan hat. Zum Guten
gehört auch die Schönheit SEINER Schöpfung,
wie sie sich in den Jahreszeiten spiegelt. Si-
cher, es gibt immer Leute, denen der Winter zu
wenig Schnee bringt und der Sommer entweder
zu heiß und zu trocken oder zu kalt und zu nass
ist. Jetzt geht es wieder mit Riesenschritten auf
den Herbst zu – eine Jahreszeit, die auf der Be-
liebtheitsskala wohl bei den meisten eher wei-
ter hinten rangieren dürfte. Das liegt wohl dar-
an, dass sie den grauen November vor Augen
haben. Dabei kann es im Herbst auch unglaub-
lich schöne Momente geben. Wir müssen sie
nur entdecken und uns einen Augenblick Zeit
für sie nehmen, bevor sie vergehen. Dieser
Blick in den sonnendurchleuchteten Ahorn-
baum ist ein solcher Moment, kostbar und ver-
gänglich und gleichzeitig auch ein strahlendes
Gotteslob. Festhalten können wir diese Mo-
mente nicht. Es bleiben nur die Fotos, die unse-
ren Erinnerungen aufhelfen und die Worte, die
wir betend sprechen oder singen können: Lobe
den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht,
was er dir Gutes getan hat.

Gebet:
HERR unser Gott, dankbar bringen wir vor
DICH alles, was unser Leben ausmacht, was
uns geprägt hat und erhält. Wir denken vor DIR
an die Menschen, deren Liebe uns durch das
Leben begleitet, an alles, was uns ernährt und
das Leben schön macht.
HERR, wir danken DIR für unsere Gemeinden,
für die Schwestern und Brüder im Glauben in
unseren Orten, in unserem Land und in der
weiten Welt. Hilf uns, den Weg durch die Her-
ausforderungen der Zeit gemeinsam in gegen-
seitiger Achtung unter DEINEM Wort zu ge-
hen.
HERR, wir bitten DICH, belebe uns und schen-
ke uns die Kraft, dass wir uns zu DIR halten
und das tun, was DU willst in dieser Welt –
Verlorene zu suchen, Hungernde zu sättigen
Bedrückten neue Hoffnung schenken.

HERR, wir bitten DICH um Kraft und Geduld
und DEIN Erbarmen über unserer Schwach-
heit. Komm mit DEINER Weite in unsere en-
gen Gedanken und leuchte mit dem Licht DEI-
NER Liebe unseren Schritten. Lass uns DEI-
NEN Namen ehren und eintreten für eine be-
wohnbare Erde und für die Hoffnung auf DEIN
ewiges Reich.
Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen
Beten wir das Vaterunser:
Vater unser im Himmel
geheiligt werde Dein Name
Dein Reich komme
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf
Erden
Unser tägliches Brot gib uns heute
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir
vergeben unseren Schuldigern
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern er-
löse uns von dem Bösen
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die
Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen
Es segne uns der allmächtige und barmherzige
Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
AMEN