Andachten

Andacht zum 15. Sonntag nach Trinitatis, 12 .September 2021

Text: Lukas 17, 5+6

Die Apostel baten den HERRN: »Gib uns doch mehr Glauben!« Der HERR antwortete: »Selbst wenn euer Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkorn, könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum hier sagen: ›Hebe dich samt deinen Wurzeln aus der Erde und verpflanze dich ins Meer!‹, und er würde euch gehorchen.«

Gedanken zum Text:

Wir Menschen beurteilen für unser Leben gern – allerdings am liebsten andere. Aussehen, Fähigkeiten, Verhaltensweisen bewerten wir nach unseren Vorstellungen und Ansichten. Der Glaube macht da keine Ausnahme. Es gibt Christen, die behaupten, die „anderen“ wären im Glauben „noch nicht so weit“, müssten noch mehr „wachsen“. Zu diesen „Flachwurzlern“ gehörten wohl auch die Jünger Jesu. Verwunderlich, oder? Gerade die Freunde Jesu müssten doch wahre „Glaubenshelden“ oder zumindest Vorbilder im Glauben gewesen sein. Aber nein, auch sie waren (Gott sei Dank!) ganz normale Menschen wie Du und ich, mit Fragen und Zweifeln und Herausforderungen, durch die ihr Glaube immer wieder neu auf die Probe gestellt wurde. Klar, sie hatten es oberflächlich gesehen leichter als wir: Sie waren mit Jesus unterwegs, konnten IHN so zu sagen auf dem „kurzen Dienstweg“ bitten, bei ihrem Glauben noch „eine Schippe drauf zu legen“. Immerhin: Sie fragen den Richtigen. Denn nur ER allein hat die Kraft, uns den Mut zum Vertrauen, zum Glauben zu schenken. Die Antwort Jesu ist wieder einmal typisch: Statt einem kurzen „geht klar, Jungs, mach ich doch gerne!“ spricht ER wie so oft in Bildern. Senfkorn und Maulbeerbaum und das Meer sind es hier, eines der kleinsten Samenkörner,und ein Baum mit unglaublich tiefem Wurzelwerk und die unendliche Wasserwüste. Was ER SEINEN Jüngern damit sagt: Denkt nicht, dass ihr zu wenig Glauben habt! Selbst ein winzig kleiner Glaube, ein ganz zartes Vertrauen zu Gott hat eine unglaubliche Kraft, kann scheinbar unüberwindbare Herausforderungen im Leben bestehen helfen und durch schmerzhafteste Zeiten tragen. Wie ich drauf komme? Eben die Bilder: Der Maulbeerbaum ist groß und kräftig und trägt süße Früchte und wenn das Meer auch noch so tobt, er steht fest. Es ist also sinnfrei, die „Glaubensstärke“ bewerten zu wollen, weder bei sich selbst, wie die Jünger es taten und erst recht nicht bei anderen. Was allein zählt, ist das Grundvertrauen in die Liebe Gottes, zu dem uns der HERR Mut macht.

Gedanken zum Bild:

Wenn wir nach einem wuchskräftigen Baum mit leckeren Früchten suchen würden für einen bildhaften Vergleich, kämen wir sicher nicht zuerst auf einen Maulbeerbaum. Denn die sind in unseren Breiten doch recht selten. Näherliegend wäre da schon der Walnussbaum. Den gibt es gar nicht so selten und der hat eine ausgesprochen starke Wuchskraft. Vor wenigen Jahren haben wir einen in unserem Garten als Setzling gepflanzt und inzwischen ist er zu einem stattlichen Baum herangewachsen. In guten Jahren wie diesem dürfen wir uns auch auf eine große Zahl leckerer Nüsse freuen. Zugegeben, man kommt nicht ohne die Mühe des Nussknackens an sie heran und ihr Geschmack ist auch nicht jedermanns Sache. Aber sie sind sehr gesund und außerdem aus der nun bald schon wieder anstehenden Weihnachtsbäckerei nicht weg zu denken. Als bildlicher Vergleich für die Kraft des Glaubens eignet sich der Walnussbaum in unseren Breiten jedenfalls bestens.

Gebet:

HERR unser Gott, wir danken DIR dafür, dass DU unsere Erde belebst aus der Fülle DEINER Gaben, die uns Kraft schenken und aufleben lassen.

HERR, vor DIR legen wir ab, was uns bange macht und bedrückt – unsere Ratlosigkeit angesichts vieler Entwicklungen in der Welt und in unserer Gesellschaft, unser Unvermögen und unsere Angst, etwas zu verlieren.

HERR, wir bitten DICH, belebe uns und schenke uns DEINEN Geist, dass wir die Zeichen der Zeit erkennen und zuversichtlich bleiben in unserer Liebe zum Leben. Hilf uns, sehen zu lernen und da zu sein, wo DU uns brauchst.

HERR, wir bitten DICH für alle in unserer Nähe und in der Weite de Welt, die niemanden haben, der zu ihnen hält, sich um sie sorgt und sie durchs Leben begleitet. Für die Sterbenden bitten wir, dass DU ihnen entgegen gehst.

HERR, unser Gott, mach uns zu DEINEN Boten, die Hoffnung und Zuversicht auf DEIN Reich verkünden und in ihrem Leben erfahren, damit wir andere einladen können, mit uns zu gehen. Mach uns, HERR, bereit für alles, was von DIR kommt, dass wir geborgen bleiben unter DEINEM väterlichen Segen.

Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN