Sommer / Herbst 2021,  Was feiern wir da eigentlich?

Was feiern wir da eigentlich? | Teil 5 | am 24. Juni – Johannistag

Schon an Weihnachtsvorbereitungen gedacht? Der Johannistag teilt das Jahr- er liegt genau ein halbes Jahr vor dem Weihnachtsfest (Christi Geburt). Dieser Tag erinnert an Johannes den Täufer, dem Vorläufer und Verwandten von Jesus, einer schillernden und streitbaren Persönlichkeit. In der Bibel (Lukas 1,5-23/ Lk.1, 57-80) wird dem Vater von Johannes, Zacharias, die Geburt eines Kindes angekündigt. Er ist daraufhin sprachlos, denn es wird erzählt, dass beide Eltern schon älter sind. Er schreibt daraufhin den Namen des Kindes auf eine Tafel: „Er heißt Johannes.“ Als er seine Sprache zurückerhält stimmt er einen Lobgesang auf den Gott Israels und den kommenden Erlöser an (Benedictus). Nach Lukas 1, 36a ist Elisabeth, seine Frau, bereits im 6. Monat schwanger, als Maria die Geburt eines Kindes angekündigt wird. Deshalb legt man den Termin der Geburt des Johannes auf den 24.06. .

Vermutlich begann Johannes um das Jahr 27/28 n. Chr. in der Wüste am Jordan zu predigen, die Menschen zur Umkehr aufzufordern. Er sagte das kommende Gericht an. Diejenigen, die in ihrem Leben die Umkehr praktizieren wollen, taufte er im Jordan. Auch Jesus wurde von ihm getauft. Johannes fiel durch seine asketische Lebenshaltung auf, trug nur einfache Kleidung und ernährte sich sehr spartanisch. Er sammelte Schüler / Jünger um sich, aus denen die späteren Jünger Jesu hervorgegangen sind. Manche Forscher sahen ihn in enger Verbindung zu den Essenern, einer klosterähnlichen Gemeinschaft, die am Rande des Toten Meeres damals lebte. Johannes kritisierte den Lebenswandel der Mächtigen, wie Herodes Antipas, der ihn später gefangen nehmen und töten ließ. Er wies mit seiner Botschaft auf den kommenden Christus hin, in dessen Schatten er immer mehr trat. „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (Joh.3,30)

(Quelle Bild: Joachim Schäfer –www.heiligenlexikon.de Ökumenisches Heiligenlexikon/Dietrich Bouts der Jüngere: Johannes in der Landschaft, um 1470, in der Alten Pinakothek in München)

Der Tag (oder der Sonntag vor bzw. nach dem 24.06.) wird vielfach mit Johannisandachten auf den Friedhöfen begangen. Dabei wird in manchen Gegenden der Verstorbenen des vergangenen Jahres gedacht. Der Johannistag ist ein Wendepunkt: er erinnert auf seine Weise an das Loslassen, was sich im Laufe des Lebens und auch des Jahres (die erste Jahreshälfte ist bereits überschritten) einstellt. Hinzu kommen die Wahrnehmung und Erinnerung daran, dass mit fortschreitendem Alter, wenn die Kräfte nachlassen, beim Menschen die Auseinandersetzung mit dem Glauben und inneren Werten zunimmt (Christus soll in mir wachsen). So lädt er ein, dem nachzusinnen, was dran ist und „in der Luft liegt“, die nächsten Schritte zu bedenken und Veränderungen ins Auge zu fassen. Als volkstümlicher Brauch gehört zu diesem Tag das Johannisfeuer, das mancherorts auf den Höhen der Berge entzündet wird. Es weist auf das Kommen des Lichtes – auf die Geburt von Jesus Christus hin. Ursprünglich standen sie wohl in enger Beziehung zu den Sonnenwendfeiern.

Quellen: Karl- Heinrich Bieritz – Das Kirchenjahr/ Kirchenjahr evangelisch)

U. Thalmann