Sommer / Herbst 2021,  Was feiern wir da eigentlich?

Was feiern wir da eigentlich? | Teil 5 | am 29.09. – Michaelistag (Tag des Erzengels Michael und aller Engel)

wird in evangelischen, aber auch in katholischen Gebieten begangen- mitunter mit einem Gottesdienst am vorhergehenden oder, wenn das Fest auf einen Sonntag fällt, dann an diesem Sonntag. In der Gottesdienstordnung ist die Lesung aus der Offenbarung des Johannes über den Kampf Michaels und seiner Engel mit dem Drachen (Offb.12,7-12a)

Der Erzengel Michael erschlägt den Drachen (spanische Illustration um 1400; Metropolitan Museum of Art)

 Unknown Spanish (Valencian) Painter – Metropolitan Museum NY

Erzengel Michael erschlägt einen Drachen mit dem Schwert. Er trägt eine Brigantine, mit Plattenpanzersegmenten an Armen und Beinen, sowie einen Faustschild (spanische Illustration aus dem späten 14. oder frühen 15. Jahrhundert).

und als Evangeliumslesung Lk.10,17-20 (die Macht der Jünger Jesu über böse Geister) vorgesehen. Für katholische Christen ist er als Fest der Erzengel Michael, Gabriel und Rafael, in dessen Zentrum thematisch der Kampf der Engel gegen die Macht des Bösen und die Schutzfunktion der Engel stehen, bekannt.

Die christliche Überlieferung zählen Michael („Wer ist wie Gott“), Gabriel („Gott ist stark“) und Rafael („Gott hat geheilt“) zu einer besonders hervorgehobenen Gruppe der Boten Gottes (Erzengel). Angelus (lat. Bote, Gesandter) erinnert an den Auftrag – eine Botschaft von Gott weiterzusagen. Sie treten an wichtigen Stellen in der biblischen Überlieferung auf (Ansage der Geburt Christi – Lk.1,31ff, Lk.22,39ff – Jesus im Garten Getsemani u.a.).

Engel sind nicht die niedlichen Wesen, wie sie in barocker Zeit und Kunst ihre Prägung fanden und mit denen sie landläufig verbunden werden, sondern eher Boten von Gott, die mitunter unsichtbar, aber dennoch wirksam Menschen vom falschen Weg abbringen wollen und einen Zugang zu Gott, sei es durch ein Wort, eine Anfrage oder auch Wirkung, schaffen wollen.

Schutzengel haben auch in dieser Zeit Hochkonjunktur. Mancher versteht sie als Talisman, den man einem vertrauten mit auf den Weg gibt. So gibt es sie als ganz unterschiedliche Formen: Figuren, Schlüsselanhänger, Ketten o. ä. . Im Grunde wollen sie an Gottes (zugesagte) Nähe erinnern, wirken aber nicht aus sich selbst.

Mitunter sehen Menschen in anderen „Engel“, allerdings ohne Flügel. Wenn diese zur rechten Zeit da sind und Unterstützung oder ein offenes Ohr bieten, wenn sie zu Hoffnungsbote werden und Mut machen können zum Leben.

Der Dichter Rolf Otto Wiemer hat dies eindrucksvoll in Verse gesetzt:

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein,
die Engel.
Sie gehen leise, sie müssen nicht schrein,
oft sind sie alt und hässlich und klein,
die Engel.

Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand,
die Engel.
Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand,
oder er wohnt neben dir, Wand an Wand,
der Engel.

Dem Hungernden hat er das Brot gebracht,
der Engel.
Dem Kranken hat er das Bett gemacht,
und er hört, wenn du ihn rufst, in der Nacht,
der Engel.

Er steht im Weg und er sagt: Nein,
der Engel.
Groß wie ein Pfahl und hart wie ein Stein
es müssen nicht Männer mit Flügeln sein,
die Engel.

U. Thalmann

(Quellen: Karl-Heinrich Brieritz- Das Kirchenjahr. Feste , Gedenk- und Feiertage in Geschichte und Gegenwart, 2. Aufl.1988 ,www.brauchtumsseiten.de – Michaelistag, wikipedia)