• Sommer / Herbst 2021,  Was feiern wir da eigentlich?

    Was feiern wir da eigentlich? | Teil 4 | am 30. Mai – Trinitatisfest

    Christen feiern am Sonntag nach Pfingsten (Trinitatis) das Fest der Dreieinigkeit Gottes. Der Name leitet sich ab von lateinischen Trinitas (im Genitiv: Trinitatis)- Dreieinigkeit, Dreifaltigkeit. Hintergrund des Festes sind theologische Ideen, wie das Wesen Gottes beschreibbar ist – als Vater – Sohn und Heiliger Geist. Gibt es eine Verbindung ihnen und wie kann ich sie mir vorstellen? Im Laufe der Kirchengeschichte wurde darüber immer wieder diskutiert und entsprechende Lehrsätze entwickelt. Ich soll mir kein Bildnis von Gott machen und dennoch haben Menschen sich immer wieder Vorstellungen von Gott und seinem Wirken gemacht.

    Was uns die Dreieinigkeit Gottes zeigt: Gottes Wirken ist umfassender, als wir es uns vorstellen können. Er ist in der Geschichte – und auch im Leben des einzelnen erfahrbar und zeigt darin etwas von seinem Wesen. Als „Vater“ ist er nicht nur Schöpfer dieser Welt, sondern erwählt sich auch ein Volk. Als „Sohn“ wird er selbst menschlich – in Jesus von Nazareth. In ihm kommt er uns heilsam nahe. An ihm erkennen und erfahren wir Wesenszüge Gottes. Als „Heiliger Geist“teilt er sich unserem Inneren mit – als Begeisterung, als Freude, Trost und Liebeskraft. Er stiftet Beziehung.

    In verschiedenen Symbolen wollten Christen dem Ausdruck verleihen – im Dreieck – im Kleeblatt.

    Der Schweizer Dichter und Pfarrer Kurt Marti (1921 -2017) hat sich in einem Gedicht seinen eigenen Reim auf die Trinität Gottes gemacht.

    Kurt Marti: Die gesellige Gottheit am Werk
    Von Ur an:
    Gott in Geselligkeit,
    Gott mit Sophia,
    der Frau, der Weisheit,
    geboren,
    noch ehe alles begann.

    Sie spielte
    vor dem Erschaffer (Spr.8,22-31),
    umspielte, was er geschaffen
    und schlug, leicht hüpfend von Einfall zu Einfall,
    neue Erschaffungen vor:
    Warum nicht einen anmutig gekurvten Raum?
    Warum nicht Myriaden pfiffiger Moleküle?
    Warum nicht schleierwehende Wirbel, Gase?
    Oder Materie, schwebend, fliegend, rotierend?

    So sei es, lachte Gott,
    denn alles ist möglich,
    doch muss auch Ordnung ins Ganze-
    durch Schwerkraft zum Beispiel.

    Dazu wünschte Sophia sich ebensoviel Leichtigkeit.
    Da ersann Gott die Zeit.
    Und Sophia klatschte in die Hände,
    Sophia tanzte, leicht wie die Zeit,
    zum wilden melodischen Urknall,
    dem Wirbel, Bewegungen, Töne entsprangen,
    Räume, Zukünfte, erste Vergangenheiten –
    Der kosmische Tanz,
    das sich freudig ausdehnende All.
    Fröhlich streckte Sophia Gott die Arme entgegen.
    Und Gott tanzte mit.

    Am Anfang also Beziehung.
    Am Anfang Rhythmus.
    Am Anfang Geselligkeit.

    Und weil Geselligkeit: Wort.
    Und im Werk, das sie erschuf,
    suchte die Geselligkeit Gottes sich neue Geselligkeiten.
    Weder Berührungsängste noch hierarchische Attitüden.
    Eine Gottheit, die vibriert vor Lust, vor Leben.
    Die überspringen will
    Auf alles,
    auf alle.
    Bildchen, naiv.

    Doch wie sonst faß ich`s?
    Imagines, imaginatio.
    Denn wer glaubt, glaubt an Wunder.
    Wunder ist der Inhalt jeder Theologie.

    (Quelle: Kurt Martin – Die gesellige Gottheit)

    Ein Trost und Hoffnung in dieser Zeit: er selbst greift über die Abstände hinweg, sucht „Geselligkeit“ – Beziehung zu uns Menschen in ganz verschiedener Art und Weise. Lassen wir uns also von ihm überraschen, berühren- ja vielleicht auch in unserer Hoffnung beflügeln, nicht nur an diesem Fest, sondern immer wieder im Jahr.

    Ute Thalmann

  • Sommer / Herbst 2021

    Frohe und gesegnete Pfingsten!…

    Segen zu Pfingsten

    Einen Hauch von Wagemut,

    einen Hauch von Tapferkeit,

    einen Hauch von Lebenslust,

    einen Hauch von Fröhlichkeit,

    einen Hauch von Fantasie,

    einen Hauch von Findigkeit,

    einen Hauch von Leidenschaft,

    einen Hauch von Seligkeit,

    möge dir die segnende Kraft

    des heilig-heilenden Geistes,

    Atem, der lebendig macht,

    mitten ins Herz wehen!

    (Christa Spilling- Nöker)

    Wir wünschen Ihnen frohe und gesegnete Pfingsten!

    Von Ute Thalmann, ev. Pastorin Krölpa


  • Was feiern wir da eigentlich?

    Was feiern wir da eigentlich? | Teil 3 | am 23. Mai – Pfingsten (50 Tage nach Ostern)

    Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.“ (aus der Liturgie des Pfingstfestes)

    Sieben Wochen nach dem Passahfest – dem Fest der ungesäuerten Brote – feiern Juden das sogenannte „Wochenfest“. Die griechische Bezeichnung für dieses Fest war Pentekoste (=der 50. Tag). Der Name Pfingsten leitet sich davon ab. Das Wochenfest war eines der drei großen jüdischen Wallfahrtsfeste. Ursprünglich war es ein Erntefest (Weizenernte). Dieses wurde zum Gedächtnisfest des Bundesschlusses am Sinai, als Gott Mose das Gesetz gab. Für jüdische Familien war es Brauch, zu diesem Fest zum Tempel in Jerusalem zu pilgern. Christen haben an diese Tradition angeknüpft und feiern am 50. Tag nach Ostern das Pfingstfest. Mit dem Pfingstfest schließ die Osterzeit im Kirchenjahreskalender, zugleich erinnert sich die christliche Gemeinde an jeden Sonntag (im Gottesdienst) an die Auferstehung Jesu. Im Neuen Testament finden wir die Pfingstgeschichte in der Apostelgeschichte 2,1-4:Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

    Die Bilder der Pfingstgeschichte kann man nicht wortwörtlich verstehen. Zungen von Feuer wären ja nicht nur den Menschen, sondern auch dem Gebäude zur Gefahr geworden. Wir sagen, wenn uns etwas gefällt oder begeistert: „Ich bin Feuer und Flamme!“ Manchmal ist es auch umgekehrt, da habe ich zu nichts Lust. Da scheint mit ein bisschen Feuer zu fehlen: inneres „Feuer“, neuer Schwung. So ähnlich, wie den Jüngern Jesu zu Pfingsten. Solches „Feuer“ – so glauben wir als Christen- ist die Gabe des Heiligen Geistes- in diesem „Feuer“ wirkt Gott.

    Hintergrund für die Pfingstgeschichte war, dass Jünger Jesu (Schüler) nach seinem Tod in Jerusalem geblieben waren und sich dort aus Angst vor Verfolgung versteckt hielten. Eben an diesem Festtag traten sie heraus und erzählten anderen von ihrem Glauben an Jesus Christus, den Auferstandenen. Menschen, die dies wahrnahmen, verstanden die Botschaft, obgleich sie aus verschiedenen Ländern und Nationen stammten. Dieses Geschehen verstanden sie als eine Wirkung von Gottes Geist. Die kleine Gruppe der Anhänger Jesu vergrößerte sich, denn die Botschaft war überzeugend und war der Grund, dass sich Menschen danach taufen ließen.

    Das Pfingstfest nennt man auch das „Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes“ – oder im Volksmund der „Geburtstag der weltweiten Kirche“.

    Erstmals wurde das Pfingstfest als christliches Fest um 130 n. Chr. gefeiert. Seit dem 6. Jahrhundert gilt die Taube als Symbol für das Pfingstfest und den Heilige Geist.

    Ein Deckengemälde in der Dorfkirche zu Friedebach erinnert an die biblische Pfingstgeschichte.

    (Foto: Ute Thalmann, privat- Kirche Friedebach – Deckengemälde- Ausgießung des Heiligen Geistes)

    Bräuche an Pfingsten:

    Da das Pfingstfest im Frühling liegt, lädt es zu einem Pfingstausflug ein. Familien gehen in die Natur, wandern und halten Picknick. Auch Gottesdienste unter freiem Himmel sind beliebt – in unserer Region an der Kirchenruine Würzbach (zwischen Freienorla und Langenorla/ Waldstück nahe der Schimmersburg). Üblich sind Konfirmationen zum Pfingstfest.

    In manchen Dörfern ist es Brauch, die Häuser mit jungen Birken zu schmücken. Auch Verliebte stellten sich Birken vor das Haus. Der „Liebesmaien“ wurde mit buntem Krepppapier geschmückt oder mit einem Herz aus Karton oder Holz versehen, auf dem der Name der/des Geliebten stand und blieb einen Monat vor dem Haus stehen und wurde danach von dem/der entsorgt, der/ die ihn aufgestellt hat. Als Zeichen der Anerkennung wurde die entsprechende Person zum Essen eingeladen.

    Menschen schenken einander Pfingstrosen (Rosen ohne Dornen).

    Als Pfingstbrauch ist das Ringstechen bekannt:Es handelt sich um ein altes Reiter (Ritter)-spiel, bei dem ein Ring an einem Baumast befestigt wurde. Mit einem Stab versuchten die Reiter im Trab einen Stab durch den Ring zu werfen. Wer die meisten Treffer hat, wurde Pfingstkönig.

    Ein weiterer Brauch ist es, dass Eltern ihren Kindern „Pfingstbuschen“ bereiteten: meist aus frischen Birkenzweigen mit bunten Schleifen oder weißen Bändern verziert und eingeflochtenen Tauben aus Gebäckteig.

    Ähnlich, wie beim „Strohbär“ (am Fastnachtsdienstag in Orlamünde) wurden in einigen Regionen Deutschlands (zwischen dem Siegerland und Thüringen) Maimänner oder Laubmänner durch den Ort geschickt. Dabei wurde eine Person in Laub eingebunden und unter Begleitung von Jugendlichen durchs Dorf geführt und von den Bewohnern Tribut (in Form von Wurst, Eiern und Speck und Getränken) gefordert.

    Pfingstochsen sind mit Blumen geschmückte Ochsen, die die Kühe beim Weideauftrieb anführen. In manchen Regionen geschieht der Auftrieb auf die Weiden/ Almen um das Pfingstfest herum, da in dieser Zeit in bergigen Gegenden nicht mehr mit Schnee und Frost zu rechnen war.

    Herausgeputzt wie Pfingstochsen“ bezeichnet man Menschen, die in festlicher Kleidung spazieren gehen.

    In Gegenden, wie Bayern, wird derjenige als „Pfingstochse“ bezeichnet, der am Pfingstsonntag am längsten schläft. Er wird dann auf eine Schubkarre geladen und durchs Dorf gefahren.

    In unserer Region (Herschdorf, Gräfendorf u.a.) hat sich das Hammelkegeln im Dorf eingebürgert. Man trifft sich am Pfingstfest und kegelt. Mitunter gibt es als Preis einen Hammel oder ein Lamm.

  • Was feiern wir da eigentlich?

    Was feiern wir da eigentlich? | Teil 2 | am 13. Mai – Christi Himmelfahrt

    Christi Himmelfahrt (40 Tage nach Ostern)  

    Im Neuen Testament (Lk.24,50-52, Apg. 1,1-11) wird berichtet, dass der auferstandene Jesus 40 Tage lang sich seinen Jüngern zeigte, ehe er zu Gott in den „Himmel“ eingegangen ist. Seit dem 4. Jahrhundert gilt es in der römischen Kirche als eigenständiges Fest.

    „Als Jesus das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augenemporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.“ (Apostelgeschichte 1,9-11)

    In der mittelalterlichen Kunst wird das oft sehr naturalistisch dargestellt:

    Himmelfahrt meint: Christus ist nicht mehr „leibhaftig“ auf der Erde sichtbar. Er ist ganz bei Gott: „die Welt ist Seiner Herrlichkeit voll – der ganze Himmel und die ganze Erde.“ D.h. – er ist überall erfahrbar. Der Kirchenlehrer Augustin (354-430n.Chr.) meint: Er ist der ganz Ferne und zugleich uns näher als wir uns selbst sind. 

    Eine jüdische Geschichte (Martin Buber, Erzählungen der Chassidim) veranschaulicht das:

    Rabbi Mendel von Kozk überraschte einst einige Gelehrte, die bei ihm zu Gast waren, mit der Frage: „Wo wohnt Gott?“ Sie lachten über ihn: „Wie redet Ihr? Ist doch die Welt seiner Herrlichkeit voll! Der ganze Himmel und die ganze Erde!“ Er aber beantwortete die eigene Frage: „Gott wohnt da, wo Du ihn einlässt!“

    Dort, wo Menschen „ihn einlassen“ – ihm vertrauen – ist er ihnen ganz nah. D.h. auch, dass Gott  und Jesus Christus uns im Nächsten/ im Gegenüber begegnen kann.

    Wenn Menschen glücklich sind, wählen sie oft Worte, die den „Himmel“ berühren. Christen glauben, dass der Himmel – Gott selbst uns in seiner Grenzenlosigkeit, Weite und Freiheit nahe kommt, wo wir glücklich sind, das findet seinen Ausdruck auch in unserer Sprache z.B. „einfach himmlisch, im siebten Himmel schweben, himmlische Ruhe empfinden, den Himmel auf Erden erfahren“.

    Jesus selbst hat in seiner Botschaft vom „Reich der Himmel“ (z.B. Lk.17, 21) gesprochen, das gegenwärtig erfahrbar ist. Mit Gleichnissen wollte  er es Menschen nahebringen (vgl.Mt.13,31-32, Mt.13,33, Mt.13,44).

    Ein Brauch an Christi Himmelfahrt sind Gottesdienste in der Natur (unter freiem Himmel). Seit vielen Jahrzehnten (vermutlich seit fast 100 Jahren) feiern Christen aus unserer Region beim Waldhaus Zella (bei Krölpa)  miteinander Gottesdienst.


    Seit Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich mit der Einführung des Muttertages auch der „Vatertag“ entwickelt. Dass dieser an Christi Himmelfahrt mit Männerausflügen begangen wird, leiten manche von der biblischen Überlieferung ab, dass Jesus mit seinen Jüngern zum Ölberg hinausgegangen ist, um sich von ihnen zu verabschieden. Der „Vatertag“ oder „Männertag“ lebt unabhängig von christlichen Bräuchen an „Christi Himmelfahrt“ eigene Traditionen fort. Vielleicht besteht eine Verbindung zu Flurumgängen und – umritten, die früher an diesem Feiertag üblich waren.


    (Quellen: Aschermittwoch- Ostern- Pfingsten – Ein Wegbegleiter für die ganze Familie, Bistum Essen/ vivat.de/ EKD- Feste und Brauchtum/ Ökumenisches Heiliegnlexikon.de/ www.kirchenjahr-evangelisch.de)

    Von Ute Thalmann, Pastorin, Krölpa


  • Was feiern wir da eigentlich?

    Was feiern wir da eigentlich? | Teil 1 | am 1. Mai

    Ein Sprichwort sagt, man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Aber wissen wir um die Feste, die in unserem Kalender stehen? Warum gibt es das Fest und wie wird gefeiert? Dieser Frage wollen wir im Folgenden ein wenig nachgehen. Die Feste, die auf Ostern folgen, sind wenig bekannt. Der Maifeiertag (1.Mai) – oder der „Tag der Arbeit“ sticht dabei etwas heraus.1886 kam es in den USA um den 1.Mai zu einem mehrtägigen Generalstreik. Die Arbeiter demonstrierten für den 8- Stunden- Tag. Beim Streik kamen Arbeiter und Streikposten ums Leben. Zur Erinnerung an dieses Geschehen und auch um in Deutschland den 8- Stunden- Tag zu fordern, trafen sich erstmals 1890 Arbeiter zum Protest am 1. Mai. In den 20-ger Jahren wurde der 8- Stunden- Tag durchgesetzt. Ab 1933 und auch in der DDR wurde der Maifeiertag für ideologische Propaganda missbraucht. Auch heute noch machen Gewerkschaften am 1. Mai auf die Situation der Arbeitenden aufmerksam.

    Zum Maifeiertag gehört der Maibaum, der meist am Vortag aufgestellt und geschmückt (Kranz, Bänder, Wappen der Handwerker/ Innungen des Ortes) wurde. In manchen Gegenden ranken sich Bräuche um den Maibaum- so wurde er von der Dorfjugend bewacht, denn er galt als lukratives Diebesgut, das aber mit entsprechender Menge Bier ausgelöst werden konnte. Ursprünglich fand er Verbindung zu Fruchtbarkeitsritualen, die in vorchristlicher Zeit mit Beginn des Frühlings geübt wurden, ebenso auch das Maifeuer, über das Verliebte gemeinsam einen Sprung wagten (Maisprung). Der Tanz in den Mai fand in früherer Zeit um den Maibaum statt.

    Von Ute Thalmann, Pastorin, Krölpa


    Zusätzlich feiert man in der Katholischen Kirche den 1. Mai als Fest für Josef den Arbeiter

    Zusätzlich zum Festtag des hl. Josef am 19. März hat Papst Pius XII. im Jahr 1955 den 1. Mai als Fest für Josef, den Arbeiter verkündet.
    Mit der Industrialisierung kam es zu einer neuen Sichtweise der Arbeit. Bis dahin lebte ein Großteil der Bevölkerung auf dem Land und war in der Landwirtschaft beschäftigt. Hier war die Verbindung zur Kirche und ihren Festtagen selbstverständlich. Mit der Industrialisierung fand ein tiefgreifender Wandel statt. Etliche Menschen zog es vom Land in die wachsenden Städte, wo sie auf eine vollkommen andere Lebenswelt trafen. Nicht mehr der Rhythmus des Jahres bestimmte nun die Arbeit, sondern die Uhr. Auch ging die Bindung an die Kirche oft verloren.
    Die Kirche nahm sich bald der Sorgen und Nöte der Arbeiter in den Städten an. Christliche Arbeitervereine entstanden, mit offiziellen Lehrschreiben legte die Kirche ihre Position in der Arbeiterfrage dar. Doch hier stand die Kirche in Konkurrenz mit verschiedenen anderen politischen Kräften. Kommunisten und Sozialisten, später dann vor allem die Nationalsozialisten, beeinflussten die Menschen mit ihrem nichtchristlichen Gedankengut.
    Die Kirche wollte den christlichen Arbeitern einen mächtigen Schutzpatron geben, der ihnen helfen soll, auch in den Erfordernissen der Arbeitswelt dem Glauben treu zu bleiben. In der Hl. Schrift wird Josef Zimmermann genannt. Es entstand so das Bild des arbeitenden und treu für seine Familie sorgenden Nährvaters Jesu.
    Indem die Kirche den hl. Josef als Patron der Arbeiter wählte, will sie uns zeigen, dass jede Form ehrlicher Arbeit auch Gottesdienst sein kann. Jeder kann an dem Ort, an dem er steht, einen Beitrag zu einer christlichen Welt leisten, auch wenn die Arbeit noch so einfach und unscheinbar sein mag. Papst Benedikt XVI. sagt dazu:

    Das Vorbild des hl. Josef ist für uns alle ein eindringlicher Aufruf, die Aufgabe, die uns von der Vorsehung anvertraut wurde, in Treue, Einfachheit und Bescheidenheit zu erfüllen. Ich denke vor allem an die Familienväter und -mütter, und ich bete dafür, dass sie die Schönheit eines einfachen, arbeitsamen Lebens stets zu schätzen wissen, indem sie ihre eheliche Beziehung sorgfältig pflegen und ihren großen und nicht einfachen Erziehungsauftrag mit Begeisterung wahrnehmen.

    Heiliger Josef! Du bist das Vorbild aller Arbeiter.
    Beschütze die Arbeiter der ganzen Welt, damit sie durch ihre unterschiedlichen Berufe zum Fortschritt der gesamten Menschheit beitragen!
    Hilf jedem Christen, den Willen Gottes vertrauens- und liebevoll zu erfüllen, um auf diese Weise an der Vollendung des Heilswerks mitzuarbeiten.
    Erbitte mir die Gnade, dass ich gewissenhaft arbeite und die Erfüllung meiner Pflicht höher stelle, als meine persönlichen Neigungen. Lass mich dankbar und freudig die mir von Gott verliehenen Talente anwenden und entfalten.
    Heiliger Josef, bitte für uns!

    Quelle: www.praedica.de