Andachten

Andacht zum 12. Sonntag nach Trinitatis, 22. August 2021

Text: 2. Timotheus 4, 3+4

Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihrem eigenen Begehren werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren. 

          
Gedanken zum Text:

Wen genau der Verfasser des 2. Timotheusbriefes mit seinen Worten im Blick hatte, wissen wir nicht. Aber kaum zu glauben, dass dieser biblische Text schon vor etwa 1900 Jahren geschrieben worden sein soll! Es ist, als ob er unserer Zeit den Spiegel vorhielte. Die christliche Botschaft – mit den Worten des Briefschreibers   „die heilsame Lehre“ – scheint heute tatsächlich für sehr viele unerträglich geworden zu sein – unerträglich langweilig, aus der Zeit gefallen, einfach uncool. Denn Gottvertrauen und Nächstenliebe, damit kommt heute niemand mehr weit. Da gibt es ganz andere Lebenseinstellungen, von denen man wirklich etwas zu haben glaubt: Ich zuerst! – und – Was gehen mich die anderen an?! – stehen da ganz oben auf der Liste, gleich gefolgt von – Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt… Und richtig, wie der Briefschreiber es formuliert: „..nach ihrem eigenen Begehren werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken…“ „Coaching“ für alle Lebensfragen ist  längst in Mode gekommen. „Influencer“ haben ungezählte „Follower“. Und ja, auch auf dem „analogen“ Buchmarkt wimmelt es von Ratgebern aller Art. Das alles auch gern „spirituell“, was nichts weiter heißt als fantasievoll, fabelhaft und einzig auf das Wohlgefühl des „Coachies“, „Users“ oder Lesers angelegt.  Und wenn´s mal Probleme gibt, die sich nicht wirklich verdrängen lassen, dann werden auch dafür die passenden Fabeln erfunden. Fabeln, die einfache Erklärungen liefern und hinter denen man die eigene Angst verstecken kann. Heilsam ist das alles nicht, wie jeder im täglichen Umgang mit seinen Mitmenschen spüren kann. Unversöhnlichkeit, Kälte und Rechthaberei sind allgegenwärtig, ob im Straßenverkehr oder beim Einkaufen im Supermarkt oder wo auch immer. Und die „heilsame Lehre“, die so nahe liegt, die aus diesem Dilemma herausführt, die christliche Botschaft einmal ernst zu nehmen als Wegweiser für das eigene Leben? Fehlanzeige. Davon will nur eine Minderheit etwas wissen. Die Christen waren sie übrigens auch schon zurzeit des Briefes eine Minderheit, also vor etwa 1900 Jahren. Doch es gibt sie bis heute. Und sie werden immer mehr – vor allem in den armen Ländern unserer Welt. Wenn das nicht ein Hoffnungszeichen ist!     

Foto: Privat (J.Reichmann)

Gedanken zum Bild:

Christlicher Glaube im Wandel der Zeiten – unsere Kirchgebäude legen davon Zeugnis ab, auch die Stadtkirche von Pößneck. Rechnet man die Bauzeit des Turmes mit ein, so arbeiteten die Handwerker fast 200 Jahre lang an diesem Bau. Nach dem Turm wurde das Hauptschiff errichtet, anschließend der Chor. Spätere Genrationen bauten die Kirche immer wieder um, vor allem im Inneren. Es gab Zeiten, da musste angesichts der schnell wachsenden Bevölkerung der Stadt Platz für viele sonntägliche Gottesdienstbesucher geschaffen werden und der Kirchenraum erhielt drei Emporen. Als Kind habe ich noch erlebt, dass auch diese zum Heiligen Abend bis auf den letzten Platz gefüllt waren. Das war in den 1970er Jahren, als auf dem Marktplatz zeitgleich zur Christvesper das „Jolka – Fest“ (die sowjetische Variante des Weihnachtsfestes) inszeniert wurde. Inzwischen wurde im Rahmen der Umsetzung der Orgel die dritte Empore entfernt. Wir brauchen sie nicht mehr, denn selbst zu Weihnachten reicht inzwischen das Kirchenschiff und die erste Empore für die Besucher aus. Schließlich wird  schon vor dem Lichterfest auf dem Markt Glühwein ausgeschenkt. Da können wir natürlich nicht mithalten. Kurz gesagt: Der großzügige Bau unserer Stadtkirche bietet momentan in der Regel viel zu viele freie Plätze. In der Coronazeit aber stellte sich das als ein echter Vorteil heraus: kein Problem mit den Sicherheitsabständen. Es hat eben alles seine zwei Seiten, könnte man sagen. Oder anders gesagt: Gut, dass wir die Kirche haben. Sie bietet Platz für alle. Ich meine nicht nur das Gebäude, das seit Jahrhunderten fest steht in der Mitte der Stadt. 

Gebet:

HERR unser Gott, DIR sei Dank für DEINE Liebe, die ihren Weg immer wieder findet durch die Mauern in unseren Köpfen, erbaut aus den Steinen unserer Angst und unserer Selbstsucht. Durch die Mauern, hinter denen wir uns verstecken und mit denen wir andere und vor allem DICH selbst von uns fernhalten wollen.

HERR, wir bitten DICH, nimm uns mit auf DEINEM Weg der Liebe, damit unsere Welt menschlicher und freundlicher werde und offener für alle, die miteinander die Zukunft gestalten wollen. 

HERR, wir bitten DICH, lass uns spüren und erkennen, wo DU am Werk bist und wo DU uns im Angesicht unseres Nächsten begegnest. Mach, dass DEIN Wort unsere Ohren und Herzen erreicht und wir DEINE Sprache verstehen, dass uns DEIN Licht aufgeht in der Freude oder im Schrecken. 

HERR, wir bitten DICH, wandle in DEINE Gnade und DEINEN Segen, was uns Angst macht in diesen Tagen, was uns mahnt, woran wir zu tragen haben und worauf wir keine Antwort finden. Erbarmender Gott, erhöre uns.  Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN