Andachten

Andacht zum 18. Sonntag nach Trinitatis, 3. Oktober 2021

Text: Psalm 34,8 (Tagesspruch zum Michaelisfest am 29. September)

Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die IHN fürchten, und hilft ihnen heraus.

Gedanken zum Text:

Das Fest des Erzengels Michael und aller Engel und das Erntedankfest markieren das baldige Ende der „festfreien Zeit“ im Kirchenjahr. Die Zahl der Sonntage „nach Trinitatis“ im evangelischen Kalender ist weit voran geschritten. Michaelis und Erntedank ermuntern zum Rückblick auf die eben vergangenen Monate. Erinnern Sie sich noch an die Andacht zum Trinitatisfest? Damals hatte ich Sie ermuntert, die Spuren Gottes und SEINER Engel in diesem Sommer für sich zu entdecken. Sind Sie fündig geworden? Ganz in der Stille oder auch mitten im Alltag? An einem wunderschönen Urlaubstag, an einem besonderen Urlaubsort oder zuhause? Gab es unvergessliche Momente oder auch die Erfahrung, in Krankheit gestärkt und bewahrt zu werden? Die vielfältigen Erlebnisse und Erinnerungen machen uns schnell deutlich, dass auch dieses Jahr nicht nur ein „Spaziergang im Sonnenschein“ war – und da spreche ich jetzt nicht nur von der Coronapandemie. Aber einem Engel sind Sie bestimmt begegnet – auch wenn er vielleicht keine Flügel hatte. Dann war es ein Mensch, der Sie froh gemacht hat, Ihrer Lebenslust neuen Schwung verschaffte oder ihren Gedanken einen neuen Horizont eröffnete. Oder ein anderer, der Sie ermutigte, aufrichtete und tröstete mit Worten, im Gebet oder mit Taten. Solchen Engeln begegnet zu sein, das wünsche ich Ihnen von Herzen. Und hin und wieder geschieht es uns auch, dass wir selbst zu Engeln werden – ganz unvermittelt und überraschend durch Gottes guten Geist. Auch da gibt es sicher viel zu erzählen. Wenn Sie mögen, können Sie mir Ihre Erfahrungen dieses Sommers auch sehr gern einmal schreiben. Denn nach meiner Erfahrung erzählen wir uns im Getriebe des Alltags viel zu selten davon. Sollten wir aber tun, weil das die beste Medizin gegen das weit verbreitete Jammern und Schwarzsehen ist. Oder wie singt es der Beter des Psalms mit seinen Worten: Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die IHN fürchten, und hilft ihnen heraus.


Gedanken zum Bild:

Engelspuren entdecken im Leben – das birgt so manche Überraschung. Ging mir auch so, als ich im Sommer einmal mit der Kamera unterwegs war. Da entdeckte ich dieses prachtvolle Kirchenfenster mit dem sechsflügeligen Engel in der Mitte. Und wissen Sie, wo? In unserer Pößnecker Stadtkirche! Zugegeben, man sieht es nur tagsüber von der zweiten Empore gegenüber des Turmes. Denn es befindet sich in der oberen, nach innen offenen Turmstube. Nicht nur der verborgene Ort des Fensters, auch die Darstellung des Engels finde ich überraschend. Es muss sich um einen der Thronwächter (Seraphim) des HERRN handeln, die der Prophet Jesaja in einer Vision gesehen hat (Jesaja 6,2). Im Fenster erstrahlen die Flügel in satten Rot- und Gelbtönen, die fast golden wirken. Rot ist die Farbe des Heiligen Geistes und Gold die Gottesfarbe schlechthin. Der Glaskünstler kombiniert die sechs Flügel, von denen der Engel laut Jesaja nur zwei zum Fliegen benötigt (die anderen bedecken das Antlitz und die Füße des Seraphen), mit einem auf den ersten Blick kindlich pausbäckig wirkenden Gesicht. Ein üppiger, glänzender, blonder Haarschopf ergänzt das Bild. Aber ein drolliges, barockes Puttenengelsgesicht strahlt uns dennoch nicht entgegen. Der Blick des Engels ist durchdringend, seine Mundwinkel sind ernst nach unten gezogen. Ein Wächterengel eben, der sein Gegenüber – also uns – immer etwas abschätzend im Auge behält. „Gott sieht alles!“ sagte man früher den Kindern und meinte das in der Regel als Ermahnung zu einem angepassten, „anständigen“ Verhalten. Stimmt, aber der Satz geht weiter, sagen wir heute. „Gott sieht alles und alle mit den Augen des liebenden Vaters an!“, muss er nach der Bibel heißen. Das klingt ganz anders, oder?

Gebet:

HERR unser Gott, wir danken DIR, dass DU immer wieder Hoffnung setzt in uns mit DEINER Güte beschenkst.

HERR, wir bitten DICH, erfülle uns mit DEINEM Geist, dass wir DIR vertrauen und unser Leben gestalten auf DEINEM Weg zum Heil.

HERR, wir bitten DICH, hilf uns zu überwinden unter uns, was DEINE Liebe verbirgt, was sie unterdrückt oder entstellt.

HERR, wir bitten DICH, hilf uns, von schnellen und oberflächlichen Urteilen weg zu kommen und wecke in uns die Ehrfurcht vor DEINEN Geschöpfen.

HERR, wir bitten DICH, schenke neuen Mut den Müden und Erschöpften, Orientierung und Halt den Ratlosen und Verbitterten.

Sei bei allen, die in unserem Land Verantwortung übernehmen in Politik und Verwaltung und geleite sie in ihren Entscheidungen in DEINEM Geist.

HERR, unser Gott, achte auf unser Gebet und hilf, dass wir auf DEIN Wort hören, das uns stärkt, zu trösten, Hoffnung zu schenken und Zuversicht und die Kraft, mitzubauen an DEINEM Reich.

Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN