Andachten

Andacht zum 19. Sonntag nach Trinitatis, 10. Oktober 2021 – und Erntedankfest

Text: Lukas 6,31 (Lehrtext zum 15. Oktober)

Jesus spricht: Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!

Gedanken zum Text:

Kennen Sie noch das gute alte Wort „Ratgeber“? Neudeutsch heißt das „influencer“ (englisch: „Beeinflusser“. Ja, „Ratgeber“ gibt es auch noch, vor allem auch in den Buchläden stehen sie reihenweise in den Regalen, wie mir neulich wieder einmal auffiel. Zur Gesundheit einschließlich Ernährung ganz vorn dran, aber auch zur „inneren Mitte“, zur Selbstfindung und -verwirklichung, dazwischen auch zur Beziehungspflege und zur Kindererziehung. Haustiere und Garten dürfen nicht fehlen – und die Aufzählung ist immer noch mehr als lückenhaft. Für alles und jedes im persönlichen Leben kann man einen Ratgeber finden – wahlweise natürlich auch einen „influencer“ im Netz. Unter den Ratgebern suchte ich eine Weile, aber einen für ein gelingendes Zusammenleben in der Gesellschaft fand ich dennoch nicht. Braucht es auch nicht, dachte ich mir. Denn besser als Jesus könnte man es sowieso nicht auf den Punkt bringen, wenn ER sagt: Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch! Das klingt einfach, merkt sich gut und hätte weit reichende Folgen, wenn sich immer mehr Menschen daran orientieren würden. Auch wenn dieses Jesuswort nicht unbedingt zu den „klassischen Erntedankworten“ zählt, auch für dieses Fest finde ich es sehr passend. Denn der Dank für die reiche Ernte und das mehr als gesicherte Auskommen schließt ja auch immer den Gedanken ein, Benachteiligte, arme und Notleidende an diesem Segen teilhaben zu lassen. Stellen wir uns doch einmal vor, wohin sich unsere Welt entwickeln würde, wenn wir in den reichen Industrienationen wirklich solidarisch mit den Menschen aus der Zweidrittelwelt lebten. Sicher, ein Himmelreich auf Erden wäre auch das nicht. Denn alles, was Menschen planen und tun, muss Stückwerk bleiben. Aber Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung könnten so bestimmt ein ganzes Stück näher zu rücken als wenn alles immer nur so weitergeht wie bisher. Natürlich muss einer den Anfang machen. Und das sollen wir sein, in unserer kleinen Welt, sagt Christus, unser HERR: Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!

Foto: Privat (J.Reichmann) – Erntedankfest 2021 in Pößneck – Jüdewein

Gedanken zum Bild:

Jahr für Jahr verwandeln zwei Frauen aus unserer Gemeinde den Chorraum der Jüdeweiner Kirche für das Erntedankfest in eine Augenweide. Die Farben der unterschiedlichsten Blumen, die Vielfalt von Gemüse und Obst, Feldfrüchten und die selbst gebundene Erntekrone auf dem Taufstein vereinen sich zu einem prachtvollen Gotteslob und Dank für SEINE Gaben. Die festliche Stimmung überträgt sich auf die Besucher und unser Gottesdienstes für Groß und Klein wird zu einem besonderen Erlebnis. Es tut gut, Gott gemeinsam für SEINE Liebe und Treue in diesem Jahr zu danken. Das spüren wir nach den erforderlichen Einschränkungen im Frühjahr ganz besonders. Aus dem Gottesdienst gehen wir zurück in unseren Alltag. Hat da der Dank auch seinen Platz oder vergessen wir ihn öfter mal, weil zu viel Hektik ist? Es muss ja nicht der große Dank eines Festes sein. Auch der kleine Dank für eine kleine Hilfe oder ein gutes Wort oder was auch immer das Leben leichter und schöner macht, bringt Freude und Licht in den sonst so anstrengenden Tageslauf. Und er ist der Anfang vom großen Dank, der unserem HERRN gebührt.

Gebet: Da in diesen Tagen auch neben Erntedank das Fest der Kirchweih gefeiert wird, hier ein Gebet dazu:

HERR unser Gott, seit langen Jahrhunderten bauen DIR Menschen Häuser, in denen sie DIR gemeinsam danken und um DEINEN Beistand bitten.

HERR, wir bitten DICH, sei DU in unserer Mitte und erfülle uns mit DEINEM Geist, dass wir bei DIR finden, was wir suchen: Die Freude am Leben, die Ruhe für unsere Seelen und den Trost, der uns auffängt.

HERR, wir bitten DICH, lass zum Segen werden, was wir in DEINEM Haus erleben und was wir mitnehmen in unseren Alltag – für uns selbst und für unsere Nächsten.

HERR, unser Gott, achte auf unser Gebet und hilf, dass wir auf DEIN Wort hören, das uns stärkt, zu trösten, Hoffnung zu schenken und Zuversicht und die Kraft, mitzubauen an DEINEM Reich.

Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN