Andachten

Andacht zum 20. Sonntag nach Trinitatis, 1 7. Oktober 2021 – und Gedenktag des Evangelisten Lukas (18. Oktober)

Text: Lukas 1, 3+4

Darum hielt auch ich es für richtig, nachdem ich allem bis zu den Anfängen sorgfältig nachgegangen bin, diese Ereignisse für dich, hochverehrter Theophilus, in geordneter Reihenfolge niederzuschreiben, damit du erkennst, wie zuverlässig all das ist, worin du unterrichtet worden bist.

Gedanken zum Text:

Wer kennt sie nicht, die einprägsamen Geschichten aus dem Lukasevangelium? Die bekannteste ist sicher die Weihnachtsgeschichte von der Krippe und der Geburt Jesu im Stall von Bethlehem. Sogar völlig kirchenfremde Menschen haben sie irgendwann einmal mitbekommen und vergessen sie nicht mehr. Auch wer die Bibel kennenlernen möchte, beginnt am besten mit dem Lukasevangelium. Denn sein Verfasser war ein begnadeter Erzähler, sprachgewandt und ausdrucksstark. Mehr wissen wir leider nicht von ihm. Manche meinen, er könne ein Arzt gewesen sein, weil er sehr viele Heilungsgeschichten überliefert. Andere lesen seine einleitenden Worte ins Evangelium so, als sei er eine Art Historiker gewesen. Ein Forscher, mit den geschichtlichen Fakten zum Leben Jesu eine Art Biografie des HERRN geschrieben hätte. Auf den ersten Blick könnte dieser Eindruck tatsächlich entstehen. Denn nur Lukas ordnet die Geburt Jesu zeitlich in die Regierungszeit des römischen Kaisers Augustus ein. Liest man sein Evangelium allerdings genauer, wird bald deutlich: Die historischen Fakten bilden nur den ungefähren Rahmen für die eigentliche Botschaft: Jesus ist der verheißene Messias des Gottesvolkes. ER verkündigt das Reich Gottes und in SEINER Gegenwart wird das Gottesreich heute schon erfahrbar – und zwar für alle Menschen, die IHM vertrauen können, weit über das Volk Israel hinaus. Das bezeugt Lukas dann vor allem in der Fortsetzung seines Evangeliums, der Apostelgeschichte. Auch wenn wir vielleicht längst nicht so begabt sind wie er, will er uns ermutigen, die Jesus – Geschichten auf unsere Art weiter zu erzählen – und damit bei ganz wenigen oder vielleicht auch nur einem Menschen zu beginnen. Lukas widmete sein Evangelium ja zunächst auch seinem Freund Theophilus. Und wenn der Geist Gottes es will, finden sich auch unsere Zuhörer wieder in den Geschichten und können darin Kraft und Mut schöpfen für ihr Leben.

Gedanken zum Bild:

Wo ist die Zeit nur hin? – fragte neulich jemand im Rückblick auf dieses Jahr. Das Erntedankfest ist gefeiert, jetzt kommen die eher schwermütigen Sonntage des Kirchenjahres bis hin zum Ewigkeitssonntag. In einer Meditation wird der Lauf des Lebens mit einem Fluss verglichen, der von der Quelle bis zur Mündung in vielen Windungen und über Stromschnellen dahinfließt. Dieses Bild von einem munter plätschernden Bach kann uns daran erinnern. In diesem Fluss suchen wir nach Halt, damit wir nicht untergehen. Der Evangelist Lukas schrieb damals sein Evangelium, um seinem Freund Theophilus eben diesen Halt zu bieten. Denn kaum etwas ist belastender als Unsicherheit und Zweifel, kaum etwas führt schneller in die Irre oder gar in die Verzweiflung. Das Heilmittel gegen die Zweifel ist die Vergewisserung, die zum Vertrauen führt. Das Vertrauen, dass auch unsere Lebensläufe oder -flüsse nicht einfach nur versickern, sondern einmünden in das Meer der Liebe Gottes, um einmal im Bild zu bleiben.

Gebet:

HERR unser Gott, wir danken DIR, dass Du uns Wege öffnest, wo wir nur Mauern sehen, dass DU unseren Geist erhellst, wo wir zweifeln und grübeln, dass DEINE Liebe uns auffängt, wenn wir trauern.

HERR, wir bitten DICH, überwinde unsere Trägheit und unseren Starrsinn, immer so weiter zu machen mit uns, unseren Nächsten und unserer Welt. Hilf, dass wir DEIN Wort mit dem Herzen hören und gib uns ein Herz für DEIN Wort.

HERR, wir bitten DICH um offene Augen, empfindsame Ohren und erbarmende Hände, dass durch uns das Gute stärker werde in unserer Welt.

HERR, unser Gott, lass uns zum Frieden finden, den DU verheißt, Frieden zwischen den Menschen, dass die Traurigkeit schwindet und die Freude die Herzen der Menschen höher schlagen lässt.

Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN